Fast Fashion – ein Klimakiller

ein Gastbeitrag von Carolin Bernauer.

Jeder kennt sie, jeder sieht sie tagtäglich in der Stadt: billige Kleidungsläden, die ihre Mode massenweise produzieren und zu Spottpreisen verkaufen, ja schon fast „loswerden wollen“. Für viele Verbraucher*innen stellt das den idealen Deal dar: Man geht in die Innenstadt und sucht in der Sale-Abteilung nach einem Oberteil für die nächste Party, die unter dem Motto „bad taste“ gefeiert wird. Es muss billig sein, da es danach nie wieder angezogen wird – bad taste eben. Und nach 10 Minuten und im „besten Fall“ nur drei Euro leichter, wird der Modeladen wieder verlassen. Doch leider gibt es – wie bei den meisten vermeintlich perfekten Deals im Leben – einen sehr großen Haken, der nicht auf den ersten Blick und schon gar nicht beim Kauf von Fast Fashion Kleidung ersichtlich ist. Die Rede ist von der hohen Umweltbelastung, die vielen Leuten gar nicht erst bewusst ist.

Klar: Fliegen ist umweltschädlich, Müll ist umweltschädlich, Kohle-Kraftwerke sind umweltschädlich. Das weiß jeder! Aber warum ist kaum jemand über die negativen Folgen von Fast Fashion für die Umwelt informiert? Die Antwort ist wahrscheinlich genauso banal wie erschreckend: Anders als bei den genannten anderen Umweltkillern, können Verbraucher*innen die Konsequenzen für die Umwelt beim Kauf nicht sehen und sind sich derer somit oft nicht bewusst. Wir sehen Bilder von Müll im Meer, wir sehen Flugzeuge am Himmel, die Kondensstreifen nach sich ziehen und wir sehen den Dampf, den Kohlekraftwerke ausstoßen. Was wir nicht sehen können, ist der hohe CO2-Ausstoß bei der Herstellung eines Fast Fashion-T-Shirts, die giftigen Chemikalien, die für die Produktion benötigt werden, die langen Transportwege, die die Klamotten auf der ganzen Welt zurücklegen, die Wasserverschmutzung, die lebensgefährlichen Bedingungen am Arbeitsplatz, die Zerstörung der Lebensräume. Ganz schön verrückt, oder? Wir erfreuen uns an unserem neuen drei-Euro-bad-taste-Oberteil, während die herstellenden Personen und unsere Umwelt darunter leiden. Nebenbei bemerkt sind 90% der Näher*innen Frauen, was – finde ich – auch ein politisches Statement unsererseits ist. Wo bleibt der Feminismus? 

Natürlich gibt es – zur Freude vieler modeaffiner Menschen – klimafreundlichere Alternativen, mit denen Verbraucher*innen etwas mehr auf unseren Planeten achten und trotzdem schick angezogen sein können. Das Pendant zu Fast Fashion ist Fair Fashion. Wie der Name schon sagt, werden hierfür die Klamotten fair hergestellt: Die Arbeiter*innen bekommen angemessene Löhne, haben menschenwürdigere Arbeitsbedingungen und ein sicheres Arbeitsumfeld.

Die sogenannte Green Fashion legt noch eins drauf: Für die Herstellung der Kleidung wird mit weniger Chemikalien gearbeitet, es werden umweltfreundlichere Rohstoffe verwendet und gesundheitsfreundlichere Farben benutzt. Die vielen Marken, die faire Mode produzieren, sind leider aktuell noch sehr unbekannt. Beispiele sind „Nikin“, „Tgifw“, „Two Thirds“ und „Albero“. Diese Marken sind dir zu teuer? Macht nichts! Es gibt nämlich auch deutlich billigere Methoden, um an umweltfreundliche Mode zu gelangen. Die Rede ist von Second-Hand-Kleidung. Es gibt Flohmärkte, Plattformen im Internet, Apps, Läden. Sie alle haben etwas gemeinsam. Hinter ihnen stecken Menschen, die ihre gebrauchte Kleidung für die Umwelt weitergeben möchten. Was ihnen keine Freude mehr macht, kann in jemand anderes Kleiderschrank ein neues Zuhause finden. Wer hier kauft, spart nicht nur Geld, sondern auch die Rohstoffe, Chemikalien und das CO2 für die Herstellung neuer Kleidung. Und last but not least kommt die wohl umweltfreundlichste, billigste und gesündeste, aber auch die von vielen als abwegigste Alternative betrachtete Methode, um Fast Fashion zu vermeiden: nämlich nichts, Nada! Richtig gelesen, schraub einfach deinen Konsum zurück und kauf einfach mal nichts. Warum immer neue Kleidung kaufen, wenn man alte, die vielleicht sowieso nur Platz im Kleiderschrank verschwendet, auch umstylen und neu kombinieren kann? 

Sei also Trendsetter: Lebe fair, nicht fast und behalte dein Konsumverhalten im Blick. Die Umwelt wird es dir danken! 

Weiterführender Link:

https://www.tagesschau.de/wirtschaft/lieferkettengesetz-101.html

Du magst vielleicht auch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.