Nachhaltige Ernährung

ein Gastbeitrag von Jana Damjanic (@janadamjanic).

Gutes Essen – ein Thema, das vermutlich jeden von uns beschäftigt und auch jeden von uns betrifft. Denn Hunger und Durst gehören eben einfach zu den Grundbedürfnissen von uns Menschen. In den letzten Jahren hat Essen, vor allem durch Social Media, noch eine ganz andere Bedeutung bekommen. Allein auf Instagram lassen sich unter dem Hashtag #food über 400 Millionen Beitrage finden. Essen ist Statussymbol, kann die Gesundheit unterstützen und zum Trend werden – zum Beispiel das Bananenbrot oder die Feta-Pasta.

Gleichzeitig ist die Lebensmittelindustrie für einen großen Teil der Treibhausgasemissionen weltweit verantwortlich. In Deutschland stößt die Lebensmittelproduktion genauso viel Treibhausgase aus wie der Straßenverkehr. Rund 70% der Emissionen gehen dabei auf das Konto tierischer Lebensmittel. Im Kampf gegen den Klimawandel heißt es also: nachhaltig leben – nachhaltig essen. Aber wie genau stellt man das am besten an?

Genau diese Frage habe ich mir gestellt. Für mein Studium der Ökotrophologie habe ich gemeinsam mit Kommilitoninnen an einem Projekt zum Thema Nachhaltige Ernährung gearbeitet. Ziel des Projekts war es, die eigene Ernährung genauer unter die Lupe zu nehmen und diese daraufhin umzustellen und nachhaltiger zu gestalten. Im ersten Schritt mussten wir erstmal klären, wie das funktionieren kann. Das Ergebnis sollte eine Art Ernährungsplan sein, der den negativen Effekt auf die Umwelt so gering wie möglich hält. Dabei gibt es wahnsinnig viel zu beachten. Angefangen bei den Treibhausgasemissionen durch die Produktion, den Transport und Verkauf der Lebensmittel, dem Ressourcenverbrauch, vor allem Wasser, bis hin zum Artenschutz. Die Liste würde sich endlos weiterführen lassen. Daher haben wir versucht, die wichtigsten Punkte knapp herauszuarbeiten.

An erster Stelle steht die Regionalität und Saisonalität von Lebensmitteln. Durch kurze Transportwege und einer den natürlichen Bedingungen angepassten Produktion können viele Ressourcen eingespart werden. Da tierische Lebensmittel den größten Ressourcenverbrauch aufweisen, sollte für eine nachhaltige Ernährung außerdem vorwiegend auf pflanzliche Lebensmittel gesetzt werden. Vegane Ernährung schneidet im Hinblick auf den Ressourcenverbrauch verglichen mit vegetarischer oder omnivorer Ernährung am besten ab. Ökologisch erzeugte Lebensmittel sind den konventionellen vorzuziehen und außerdem ist unverpackt besser als verpackt, vor allem wenn es sich dabei um eine Plastikverpackung handelt. Je unverarbeiteter ein Lebensmittel ist, desto nachhaltiger wird es eingestuft. Zusätzlich schont es unsere Ressourcen enorm, wenn gute und essbare Lebensmittel nicht weggeworfen werden.

So weit, so gut. Mit großer Motivation starten wir das Experiment. Im Laufe der Wochen werden uns dabei aber immer mehr Probleme und ungeklärte Fragen bewusst:

Bio-Lebensmittel kosten mehr als konventionelle. Nicht jeder kann sich das leisten. Unverarbeitete Lebensmittel zu kaufen heißt auch oft, dass es länger dauert, zu kochen. Als berufstätiger Mensch ist das auch nicht immer möglich. Was tue ich außerdem, wenn ich im Supermarkt vor den Gurken stehe und die Bio-Gurke in Plastik verpackt ist, die konventionell angebaute Gurke jedoch nicht? Heißt regional und saisonal, dass ich nie wieder eine Banane oder Mango essen darf? Kann ich nur nachhaltig leben, wenn ich mich von heute auf morgen vegan ernähre?

Diese Fragen lassen sich pauschal nicht einfach so beantworten. Hier muss jeder für sich selbst abwägen. Bei einer nachhaltigen Ernährung gibt es kein schwarz oder weiß, keine Regeln, die genau sagen, was richtig oder falsch ist. Eine Umstellung von heute auf morgen, wie ich es in dem Experiment ausprobiert habe, ist nicht leicht. Ich konnte aus dem Projekt trotzdem einiges mitnehmen und das ein oder andere ist heute zur Gewohnheit geworden. Die größte Errungenschaft für mich ist der bewusstere Blick auf die Lebensmittel. Und das ist für mich auch der erste Schritt, um die eigene Ernährung nachhaltiger gestalten zu können. Daher mein Tipp: nehmt euch die Kriterien zur Hand, beobachtet und hinterfragt eure Kauf- und Essgewohnheiten und werdet euch über deren Auswirkungen bewusst. Informiert euch, probiert Neues aus. Versucht, den Weg nicht allein zu gehen, sondern euch gemeinsam mit Freunden oder der Familie neue Ziele zu setzen und euch gegenseitig zu motivieren. Zwingt euch nicht zum Perfektionismus, denn am Ende geht es bei einer nachhaltigen Ernährung auch um die eigene Gesundheit und das eigene Wohlbefinden.

Fangt dort an, wo es euch leichtfällt und ihr werdet merken, jeder weitere Schritt wird euch weniger schwerfallen. Denn jeder Schritt zu mehr Nachhaltigkeit – egal wie klein oder groß dieser auch ist – ist ein Schritt in die richtige Richtung.

6 Tipps für eine nachhaltigere Ernährung:

  1. Möglichst regional & saisonal einkaufen
  2. Häufiger pflanzliche Lebensmittel verwenden
  3. Auf ökologisch erzeugte Lebensmittel setzen
  4. Je weniger Verpackung, desto besser
  5. Lebensmittelabfälle vermeiden
  6. Möglichst unverarbeitete Lebensmittel verwerten

Weiterführender Link:
http://www.going-green.info/fileadmin/dateiupload/KonsUmwelt/Bildungsmappe_II_Nahrungmittelproduktion_und_-verschwendung.pdf

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