„Wirfs doch einfach NICHT weg“

ein Gastbeitrag von Britta Trageser (@brittatrgsr).

Wow:
700 Millionen Menschen auf der Erde hatten 2019 keinen ausreichenden Zugang zu Nahrung. – In Deutschland werden 75 Kilogramm an Lebensmitteln jährlich pro Person in deren Haushalten einfach weggeschmissen.

„Wir sind es so gewohnt Lebensmittel zu verschwenden, dass wir ihren Wert vergessen haben und die Auswirkungen, welche die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung auf die Natur hat. Ob es uns gefällt oder nicht, wir in unserem Zuhause sind der größte Teil des Problems.“ (Marcus Gover, Vorsitzender NGO „Wrap“). Diese Informationen postete die @tagesschau auf ihrer Instagramseite. Ich muss sagen, dass mich die Zahlen schockieren, während ich mich gleichzeitig frage, wie blauäugig ich auf die Welt blicke. Irgendwie weiß jeder Bescheid, drückt sich aber davor hinzuschauen oder noch viel mehr einzugreifen und nimmt daher solche Informationen als gegeben und in gewisser Weise auch selbstverständlich hin. Doch darf ausreichend Nahrung ein Privileg sein? Ein Privileg, das auf der Geburt basiert? Der verschwenderische Umgang mit Lebensmitteln nimmt dabei auch einen starken, negativen Einfluss auf den Klimawandel. Laut einer Studie der NGO „Wrap“ sind durch dieses Verhalten ungefähr 10 % der Emissionen erklärbar.

Allein die Reduktion unseres eigenen Wegwerfverhaltens kann dem schon entgegenwirken – auch wenn es vielleicht schwer vorzustellen sein mag, da man die Auswirkungen nicht direkt sehen kann. Und trotzdem: das Herunterschrauben unserer Lebensmittelabfälle trägt nicht nur dazu bei, Treibhausgas-Emissionen zu minimieren, sondern sichert auch die Verfügbarkeit von ausreichender Nahrung für alle, sodass Hungerleiden der Kampf angesagt werden kann.

Ich finde, es gibt noch nicht einmal ein einziges Gegenargument, weshalb wir unseren Lebensmittelabfall nicht drastisch reduzieren sollten. Daran ist einfach nichts Positives zu finden. Nicht nur mit Blick auf die Pflege unserer Umwelt, sondern auch mit jenem auf unseren Geldbeutel und wünschenswerterweise auch unseres Gewissens, ist es doch ein Umweltschutzprojekt, das jeder in seinem eigenen Leben anstreben kann. Für sich selbst. Für unsere Umwelt. Für all diejenigen Menschen, für die das Wegwerfen nie eine Option darstellen könnte, die sich vielleicht sogar durch unseren Abfall ernähren, da sie sonst verhungern würden.

Um dieses Thema nicht nur theoretisch zu umkreisen, möchte ich dir hier meinen 4-Punkte-Plan vorstellen, der dir bei einem bewussten Anti-Lebensmittel-Wegwerf-Leben hilft:

1. Plane deinen Einkauf

Ich schreibe mir vor jedem Einkauf eine Liste, die ich für die jeweiligen Gerichte in der Woche brauche. Um die Menge der dafür benötigen Nahrungsmittel festzulegen, überlege ich, was die Woche so ansteht (z. B.: Kommt jemand zu Besuch, der mitessen wird?). Wenn du schon Kinder hast, kannst du dir natürlich auch überlegen, wie viel sie schon packen und ob sie vielleicht auch einen Abend bei Freunden mitessen werden etc. Ansonsten kaufe ich erst einmal so viel ein, wie ich mir sicher bin, dass ich brauche. Wenn etwas fehlt, kann ich ja sonst auch noch mal schnell in einen Laden flitzen. (Du glaubst mir nicht, wie viel Geld du durch einen bewussten Einkauf mit der Abfallreduktion im Hinterkopf tatsächlich sparen kannst)

2. Nutze Frischhalteboxen

Auch bei mir ist es ab und zu so, dass etwas vom Essen übrigbleibt. Da ist mein Besuch doch nicht gekommen oder ich habe mich einfach total verschätzt bei meiner Planung. Das Gute daran ist, dass damit mein nächstes Mittagsessen schon gesichert ist. Das übrige Essen packe ich in eine Frischhaltebox, lasse sie offen eine Weile stehen, bis das Essen abgekühlt ist, und stelle diese dann in den Kühlschrank. So bleibt das Essen frisch und du kannst es wunderbar am nächsten Tag auch auf die Arbeit, in die Uni oder einfach zu Hause noch einmal essen.

3. Teile dein Essen

Besonders bei großen Geburtstagsfeiern will man natürlich als gute*r Gastgeber*in für alle genug Essen dahaben. So ist es bei mir so, dass es wirklich immer viel zu viel ist, als dass es sogar von den größten Naschelefanten noch am selben Abend gegessen werden könnte. Deshalb habe ich mich auch hierfür ordentlich mit Boxen ausgestattet, die es mir ermöglichen, meinen Gästen am Ende vom Abend etwas mit nach Hause zu geben. Eine weitere Möglichkeit wäre es, sich einfach am nächsten Tag nochmal ein kleines bisschen „feiern“ zu lassen und den „Nachgeburtstagstag“ als Resteverwertung zu nutzen. Sicherlich würden sich auch deine Nachbar*innen über ein Stück Kuchen oder eine Schüssel voller Pizzabrötchen freuen. Darüber hinaus muss es auch nicht immer gekochtes oder gebackenes Essen sein, das einfach mal zu viel ist, aber schlecht werden würde, wenn es nicht gegessen wird (z. B. eine Banane). Auch hier kannst du deinen Bekannten eine Freude bereiten oder einen Einkauf ersparen, indem du einfach kurz mitteilst, was du übrighättest, und fragst, ob jemand Interesse daran hat. So mache ich es immer, wenn ich von meiner Studienwohnung für längere Zeit nach Hause oder in den Urlaub fahre. Ansonsten kannst du dich auch einfach bei shareyourfood engagieren.

4. Lass dich nicht verunsichern

Auf vielen Lebensmitteln ist ein Haltbarkeitsdatum abgedruckt, so viel ist klar. Aber was viele übersehen oder einfach überlesen ist das kleine Wörtchen „MINDESTENS“. Die Lebensmittel sind also nicht gleich schlecht, wenn du sie nicht bis zu dem konkreten Tag oder sogar der konkreten Uhrzeit verzehrt hast. Diese Zahl ist kein Countdown für den Tod des Joghurts :D. Da ich selbst hier natürlich auch vorsichtig bin, aber dennoch möglichst sparsam mit meinem Essen umgehen möchte, mache ich es immer so, dass ich den Joghurt einfach kurz inspiziere, bevor ich ihn esse. Du kannst deinem Instinkt hier vertrauen: wenn du keine Zeichen siehst, würdest du sie spätestens riechen oder beim Probieren erschmecken. Also, schmeiß deinen Joghurt am Tag seines vorgemeißelten Verderbens nicht einfach blind weg, sondern wirf einen Blick auf ihn und urteile jeweils neu.

Ich hoffe, dass es vielleicht schon nächstes Jahr bei der Tagesschau heißt: Weniger als die Hälfte an Lebensmitteln im Jahr zuvor wurden dieses Jahr in den Personenhaushalten weggeschmissen. – Dadurch leiden gravierend weniger Menschen auf der Erde an Hunger und auch die Umweltbilanz hat sich verbessert. 😊

Du magst vielleicht auch

1 Kommentar

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.